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22 Apr, 2008 Tobias Gehirnwäsche

Warum Werbung keine Kunst ist

Auf die Gefahr hin, mir jetzt böse E-Mails einzuhandeln, so möchte ich jedoch einmal folgendes Klarstellen: Werbung ist keine Kunst! Und zwar im wortwörtlichen Sinn.

Mir hängt die Selbstverliebtheit und Naivität, die viele der großen deutschen Artdirektoren und Werber an den Tag legen, zum Halse heraus. Das soll kein pauschales Anprangern der Branche sein, denn es gibt wirklich viele gute Kreative in der Werbung, die tagtäglich einen guten Job machen und mit ruhigem Gewissen nachhause gehen können.

Allerdings las ich vor ein paar Tagen in einem Magazin, welches sich im Großen und Ganzen mit der gegenwärtigen darstellenden Kunst auseinandersetzt, ein Interview mit einem gewissen CEO, einer großen inhabergeführten Werbeagentur. Namen möchte ich hier nicht weiter nennen. Zum Einem lag das Magazin bei meinem Zahnarzt im Wartezimmer und ich konnte mir leider Kopie dieses Artikels machen und zum Anderen kann ich nur sinngemäß daraus zitieren.

Der Befragte (ich nenne ihn jetzt einfach einmal Herr X), stellte moderne Werbung auf eine Stufe mit zeitgenössischer Kunst. Das halte ich nicht nur für eine waghalsige These, sondern es ist schlichtweg Blödsinn. Herr X führte an, dass die heutige Werbung ebenso schockieren, unterhalten, bewegen und infrage stellen soll, wie die Kunst es tut.

Sicherlich versucht Werbung zu unterhalten, allerdings wenn sie das nicht tun würde, hätten viele werbende Unternehmen erhebliche Probleme, ihre Konsumgüter abzusetzen.

Werbung verfolgt ein großes primäres Ziel: Begehrlichkeit in der relevanten Zielgruppe zu wecken. Den meisten Künstlern geht nicht darum, ausnahmslos Begehrlichkeit zu schaffen. Kunst ist eine Form der höheren Kommunikation, ein Ausdruck des Künstlers bzw. der Künstlerin. Werbung verfolgt hingegen banale Ziele und dies spiegelt sich in ihrem Ausdruck wieder.

Nicht mehr und nicht weniger.

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About Tobias

Die ersten Gehversuche im guten Internet(z) absolvierte ich 1998; schon mit www und Browser. Und ich bin dabei geblieben. In vielen Bereichen bin ich wohl das, was man neudeutsch als Early Adopter bezeichnen würde. Ich übe den exotischen Beruf des Informations- bzw. User Experience Designers aus, bin bekennender Barcamper und einer der Begründer der hannoverschen Web Montage. Als Gastschreiber werde ich mich themenübergreifend hin und wieder gerne zu Wort melden.

4 Comments

  1. Grundsätzlich stimme ich Deiner Meinung zu.
    Und was ist mit der neuesten Nerv-Baumarkt-Werbung? Die ist doch nur so konzipiert, damit sie penetrant einprägsam ist, oder? Also gibt es noch viel mehr “Genre” in der Werbung, womit der “Kunstanteil” (also hochwertige Werbung) noch verschwindendender als gering ist. Ich denke, der Herr X wollte sich nur interessant und wichtig machen #Selbstmarketing, für seine Agentur werben und “hochwertige” Kunden anlocken; die zahlen nämlich mehr. Ich weiß übrigens nicht, wer Herr X ist, so dass ich hiermit keinen persönlich diffamieren möchte #Disclaimer

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  2. klar, werbung verfolgt in erster linie nur den zweck kunden anzulocken und dem kunden möglichst lange im gedächtnis zu bleiben, deswegen ist es natürlich keine kunst. dass jemand werbung auf eine stufe mit zeitgenössischer kunst stellt ist sicherlich blödsinn. das ist einfach ein versuch dieser werbeagentur, eine an sich banale arbeit aufzuwerten und in besserem licht darzustellen. sicherlich ist in der werbebranche viel kreativität gefragt, aber selbst wenn eine werbung einen längeren zeitraum überdauert, von kunst zu sprechen ist doch maßlos übertrieben. die kunst dabei ist höchstens viele leute zu erreichen..

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  3. Naja, um eine solche Aussage treffen zu können, müsste man erst einmal wissen, wie die gegenwärtihe Kunst überhaupt aussieht – und ich bezweifle, dass ein CEO, der im genannten Artikel scheinbar eine solche Naivität an den Tag gelegt hat, dazu imstande ist.
    Natürlich hat Kunst heutzutage viele Facetten, unzählig viele sogar. Einige davon treten wohl auch in der Werbung auf, aber die gesamte Bandbreite der Werbung deshalb mit Kunst gleichzusetzen, ist fast schon absurd. Bestes Beispiel hierfür ist meiner Meinung nach die Werbekampagne einer großen deutschen Elektronikwaren-Kette (M. M.), wo eigentlich lediglich auf die Augen des potentiellen Kunden “eingedroschen” wird.

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  4. Es gibt ihn schon noch, einen verschwindend kleinen ANteil, an Werbung , wo man sagen kann, ok das ist Kunst , und sei es im weitesten Sinne gesehen, aber wie gesagt es ist die Ausnahme.

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