Liebe Deutsche Bahn AG
wir müssen da einmal über unser gestörtes Verhältnis reden. In den letzten zwei Monaten hast Du mir wirklich viel Freude und genau so viel Leid bereitet. Wie in jeder guten Beziehung, sollten wir jetzt einmal unsere Standpunkte ausdiskutieren.
Da hast mich verhältnismäßig schnell von A nach B befördert, hast dabei allerdings aufgrund Deiner häufigen „Verzögerungen im Betriebsablauf“ mir einen Umweg über Punkt C verschafft. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht und viele Kilometer miteinander geteilt. Fast genau so viel Zeit wie in Deinen schönen, gut klimatisierten Zügen verbrachte ich allerdings auch auf Deinen weniger schönen, teilweise doch ziemlich verdreckten Bahnhöfen.
Am letzten Sonntag war dann der Tiefpunkt unser Beziehung erreicht: Du hast mich sitzen lassen, mir den Mittelfinger gezeigt – so etwas macht man nicht. Deine Mitarbeiter waren allerdings immer sehr besonnen und auch freundlich versucht, hinter Dir aufzuräumen. Deinen schönen ICEs sind im Regelfall nur immer wenige Minuten verspätet, aber Deine Regionalzüge behandelst Du wie das schwarze Schaf der Familie. 20 Minuten und mehr Verspätung sind meiner Erfahrung nach keine Seltenheit bei Dir. Und genau so war es auch am letzten Sonntag. Von Friedrichshafen nach Ulm beschertest Du mir satte 25 Minuten Verspätung. Der Anschlusszug in Ulm, wo ich 10 Minuten zum Umsteigen gehabt hätte, war natürlich pünktlich losgefahren; war ja auch ein ICE.
Deine freundlichen und besonnen Mitarbeiter boten mir eine alternative Streckenführung von A nach B an. Allerdings waren da auch noch C, D, E und F im Spiel. So dass eine Reise von siebeneinhalb Stunden in diesem Fall geschlagene zwölfeinhalb Stunden gedauert hätte. Ich schlug dieses Angebot aus und Deine freundlichen Mitarbeiter boten mir zur Überbrückung der Nacht, und damit ich nicht einem Deiner verdreckten, ungemütlichen Bahnhöfen meinen Kopf auf ein Kissen betten musste, ein Hotelzimmer in einem Deiner ebenfalls zur Familie gehörenden Hotels an. Deine Mitarbeiter dort waren ebenfalls sehr freundlich. Das sollten sie aber auch sein, denn mit diesen Hotelzimmern gibt es nämlich keinen Stern für Dich.
Die Betten sind groß, die Matratzen weich, die Bettdecken dick und ohne Klimaanlage wird es im Sommer auch schon einmal etwas heißer in Deinen Hotels. Ich hätte gerne das Fenster aufgemacht, aber dies war direkt zu den Bahnsteigen gelegen. Und da Du auch Nachtzüge und Güterzüge über Deine Strecken zu nachtschlafender Zeit zu jagen pflegt, war von Schlaf nichts zu wollen, außer man legt wert darauf, beim Schlafen wie ein Schwein zu schwitzen.
Über die Duschen in Deinen Hotels müssen wir uns auch noch einmal unterhalten, denn aus den Duschköpfen kommt nur Lala; und nicht der harte, sinnlich-kalte Strahl von Wasser, den ich erhoffte.
Hey, zur Verteidigung Deiner Hotels muss ich allerdings sagen, dass Du ein prima Frühstücksbuffet bereit hältst.
Okay, ich finde, wir sollten es noch einmal versuchen. Immerhin wollte ich dieses Jahr noch häufiger Deine Dienste in Anspruch nehmen und da sollte man es sich mit dir nicht verscherzen.
Tags: bahn, db, deutschebahn, Netzwelt, Gehirnwäsche






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